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Dadarize your darlings!

Wie Sie wissen, feiert die dadaistische Bewegung dieses Jahr ihr 100jähriges Bestehen.  Das BRIMBORIA Institut feiert mit. So veröffentlichen wir hiermit das erste Browser-Plugin des Hauses: den Dadarizer.

Sind auch Sie es leid, ständig das Adjektiv “deutsch” bei ihren Cyberspace-Ausflügen zu sehen? Der Dadarizer schafft Abhilfe und ersetzt für Sie das Wort “deutsch” kurzer Hand durch “dadaistisch”. In jedem angezeigten Text. So liefert selbst Spiegel Online für Sie nur noch “dadaistische Nachrichten”.

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Aber das ist selbstverständlich noch nicht alles. Mit der folgenden Anleitung können Sie mit wahnsinnig wenig Fachwissen einen eigenen Dadarizer erstellen. Verbannen Sie Ihnen nicht wohlgesonnene Begrifflichkeiten in die Mottenkiste der Geschichte.

Wir bringen Dada ins Internet-Zeitalter. Montieren Sie sich Ihr Netz, wie es Ihnen gefällt – mit ihrem persönlichen Dadarizer!

Montage. Demontage. Selbstsabotage! Die folgende Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie Ihren eigenen Dadarizer in Betrieb bringen können.
Die Anleitung dient außerdem dazu, Ihnen Ihr ganz persönlich individuallisiertes Interneterlebnis zu ermöglichen. Verabschieden Sie sich von Triggerbegriffen, schlechten Nachrichten oder prominenten Namen, die sie nicht mehr lesen können.

Voraussetzungen:
a. Texteditor. Jeder Computer hat einen. Auch Ihrer!
b. Google Browser “Chrome”.
c. Diese Anleitung. Das wars!

Falls Sie diese Anleitung gern ausdrucken und verteilen möchten, empfehlen wir Ihnen unseren Faltflyer. Im selbigen Selbigen finden Sie den vollständigen Quelltext, der unten behandelt wird. Für die Tippfaulen unter Ihnen, hier finden Sie den Dadarizer als *.zip-Datei.

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Erstellen Sie einen neuen sexy Ordner an einem Ort Ihrer Wahl. Der Name ist irrelevant. Falls Ihnen gerade nichts einfällt, nennen Sie ihn “Nazikeule”.

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Öffnen Sie einen Texteditor. Zum Beispiel Notepad/Texteditor unter Windows . Auf der gelben Seite des oben verlinkten Faltflyers findet Sie die Datei: manifest.json. Tippen Sie den Text ab. Oder kopieren Sie ihn halt raus. Ist ja ein freies Land hier, nech? Die Titel in den Anführungszeichen “” hinter den Doppelpunkten im ersten Teil lassen sich beliebig ändern.

Speichern Sie die Datei unter: “Speichern unter -> Alle Dateien *.* auswählen” als manifest.json – manifest ist der Titel der Datei, .json die Dateiendung. Den Punkt nicht vergessen!

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Erstellen Sie die zweite Datei über den gleichen Weg mittels Texteditor. Sie finden ihn ebenfalls auf der gelben Seite des Faltflyers. Die gute Nachricht: Sie müssen auch bei dieser Datei nicht verstehen, was da eigentlich passiert. Tun wir auch nicht. Sie müssen nur alles abtippen. Beide Spalten!

Der spannende Bereich beginnt bei
v = v.replace(/\bdeutsch\b/g, “dadaistisch”);
This is where the magic happens. Es funktioniert genauso, wie Sie es sich gerade vorstellen: Sie bestimmen einen Begriff, in diesem Fall “deutsch”. Dieser wird durch das Skript ersetzt durch einen anderen. In diesem Fall “dadaistisch”. Die darauf folgenden Zeilen funktionieren genau gleich. Bei uns erweitert sich das Grundprinzip lediglich um Groß- und Kleinschreibung sowie Deklinationen des Adjektivs.

Hier können Sie eintragen, was Sie wollen! Sie können “Quantenmechanik” durch “Quantenfirlefanz” ersetzen lassen. Oder “Ausländer” durch “Südfrüchte”. Ganz wie Sie Ihr Internet mögen wollen!

Speichern Sie die Datei anschließend ab. content_script ist der Titel. .js die Dateierweiterung.

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Öffnen Sie Google Chrome. Gehen Sie unter “Einstellungen” auf Erweiterungen. Setzen Sie oben rechts in der Ecke das Häkchen bei “Entwicklermodus”.
Klicken Sie nun auf ”Entpackte Erweiterung laden” und wählen Sie den von Ihnen erstellten Ordner aus. Sie errinnern sich: In unserem Beispiel hier hieß er “Nazikeule”.
Das Plugin wird geladen und ist automatisch aktiviert.
Willkommen in ihrem eigenen Internet!

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Es ist wirklich total billig. Das kann jeder. Und jede. Alle. Wirklich. Selbst wir. Nach der Idee reichte eine kurze Recherche aus: Wir haben das Skript auch nur geklaut (http://goo.gl/QgZ28y). Probieren Sie es aus:

Merkel wird zu Haudegen!
Teilnehmer wird zu Teil_gabbagabba!
Krise wird zu Nacktsause!

Malen Sie sich die Welt, wie sie Ihnen gefällt. Die Erweiterung lässt sich übrigens mit Hilfe eines USB-Sticks auch schnell auf den Computern ihrer Kolleg*innen Freund*innen installieren.

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Der Dadarizer entstand im Rahmen des vom BRIMBORIA Institut in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung realisierten Projektes Dada’s not dead.

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Dada’s not dead – Nachrichten vom Scheitern in Permanenz [ESSAY]

Deutschland muß untergehen!

- DER dada (1920)

Vor einhundert Jahren trat Dada an, um durch die Politisierung der Kunst Nation und Kapital abzuschaffen. Offensichtlich ohne Erfolg. Dennoch hat dieses Scheitern nicht etwa Nachfolgeprojekte verhindert, die an der gleichen Baustelle gearbeitet haben – im Gegenteil. Um nur ein paar Stationen zu nennen: Der Situationismus, der Punkrock, die Kommunikationsguerilla sowie in letzter Zeit vor allem satirische Aktionskunst arbeiteten dort weiter, wo Dada aufgehört hat. Auch sie hatten keinen Erfolg. Ein Ende dieses permanenten Scheiterns ist trotzdem nicht in Sicht. Auch wenn die bürgerliche Geschichtsschreibung wohl gerade aus Anlass des Dada-Jubiläums versuchen wird, analog zu Marxens Gesamtwerk auch dieses materialistische Projekt als historisch verfallen zu bewerten.

Das tun am liebsten jene, die sich die Kunstgeschichte als eine Geschichte aufeinanderfolgender Kunstmittel denken, ohne sie in ihren theoriehistorischen Kontext einzubetten. Gerade bei Dada erweist sich diese Strategie als völlig verfehlt. Klar kann man Dada als tot begreifen, wenn man es auf die Provokation durch Chockwirkung der Montage als zentrales Mittel setzt, die verlustigt geht, sobald sie wiederholt vors Publikum gesetzt wird. Das heißt aber nicht, dass das Gesamtprojekt gescheitert ist – also das Vorhaben, aus der Kunst heraus Nation und Kapital abzuschaffen.

Die Frage, was Dada überhaupt ist, wurde bekanntermaßen als undadaistisch abgetan.

Die Frage, wie Dada ist, also welche Mittel die Damen und Herren denn so verwendet haben, ist der gleiche Nonsens.

Die Frage, warum Dada ist, nimmt dagegen den Gegenstand ernst und offenbart, dass der eigentliche Entstehungsgrund von Dada – nochmal einmal mit Gefühl: nicht um irgendwelche beschissenen Lautgedichte zu fabrizieren, sondern um Nation und Kapital abzuschaffen – bis heute besteht. Auch wenn die Beantwortung dieser Frage den Nachfolgeprojekten überlassen wurde.

Denn auch (post)-dadaistische Nachfolgeprojekte haben Wege und Mittel gefunden, um mit Mitteln der Provokation Schockwirkungen auszulösen. Allerdings ereilte sie das gleiche Schicksal: Eine Provokation ist kein Dauerbetrieb, ihre Wiederholbarkeit bleibt aus. Die Mittel der Kommunikationsguerilla waren ein willkommener Innovationsschub im Marketingbetrieb. Die Koketterie, aus der Kunst heraus die Welt revolutionieren zu wollen, ist heute eine Standardfloskel in Förderanträgen. Und selbst rechte Bewegungen wie die „Konservativ-Subversive-Aktion“ bedienen sich am avantgardistischen Methodenkoffer.

Die Chockwirkungen der Avantgarde sind nicht nur verwirkt, sie wurden von den gesellschaftlichen Verhältnissen vollständig verschluckt und verdaut.

Und trotzdem geht es auch heute noch weiter. Künstlerisch-politische Kollektive wie The Yes Men, das Peng! Collective, die Front Deutscher Äpfel, Die Partei Die PARTEI sind nur eine Auswahl an aktuellen (post-)dadaistischen Nachfolgeprojekten.

Dada gehört in einen Kanon, aber nicht in den Kanon der bürgerlichen Kunstgeschichte. Diese hat es vollständig versäumt, Dada auch nur annähernd gerecht zu werden. Dies wird insbesondere dann deutlich, wenn versucht wird, Dada irgendwo zwischen Expressionismus und Bauhaus zu kanonisieren. Was sachlich falsch ist: Expressionismus hat mit Avantgarde nichts zu tun. Dort ging es in überhöhter Wertung um das Schaffen des „Künstler-Genies“, das sich mit seinem gesellschaftlich bedingten Sonderstatus einen angeblich besonderen Zugang zur Welt erarbeitete und diesen in Einzelwerke gießen konnte. Der bürgerliche Kunstbetrieb kam dem gerade recht und wurde durch den Expressionismus keinesfalls hinterfragt. Bei Bauhaus ging es vordergründig um das, was man mit Peter Bürger als „falsche Aufhebung“ bezeichnen könnte: um die Verkünstlichung des Alltags, um Design. Was freilich Optionen für reformistische Politik bietet, aber mit einer radikal-kritischen Infragestellung der Produktionsverhältnisse nicht unmittelbar etwas zu tun hat. Im Übrigen erkennt man daran auch eine nationalhistorische Deutungshoheit der bürgerlichen Kunstgeschichte: Dada war von Anfang an international. Deswegen ist es schlicht falsch, die Bewegung unkommentiert zwischen den deutschen Expressionismus und das deutsche Bauhaus zu platzieren.

Natürlich gehört Dada kanonisiert, aber eben nicht in diesen Kanon, sondern in den werdenden Kanon der avantgardistischen Bewegungen, zu deren Grundverständnis auch ein globales Verständnis von Kapitalprozessen gehörte. Die Situationistische Internationale organisierte sich ebenso wie Dada anhand von Städten, nicht Nationen. Punk konnte mit Nation ohnehin nicht viel anfangen. Und Projekte der Kommunikationsguerilla intervenierten zwar in einen nationalen Diskursrahmen, verstanden sich aber in den seltensten Fällen als wohlmeinend-reformistische Beiträge zu diesem. Sie waren eine Reaktion auf kapitalistische Bedingungen der Produktion von Öffentlichkeit, die durch globale Produktionsverhältnisse bedingt sind.

Alle (Post-)Avantgarde-Projekte waren dilettantisch: Sie erprobten schließlich die Kunst einer nächsten Gesellschaftsordnung. Das allein sorgt dafür, dass es nicht darum gehen kann „wer am schönsten malt etc.“, sondern anhand von spekulativen Behauptungen á la „in einer befreiten Gesellschaft ist die Distinktion von Kunst und Lebenspraxis aufgehoben“ denkbare Mittel dieser neuen Kunst erprobt werden. Sie sind damit immer ein Verweis, kein in sich geschlossenes Werk, das sich anmaßt, ahistorisch aufzutreten. Und immer mit einem Moment des Scheiterns verbunden ist, weil sie unter Bedingungen herumexperimentieren wollten, die gar nicht gegeben waren. Es müsste auch überprüft werden, ob der Versuch, von der Kunst aus die Welt zu revolutionieren jemals wirklich ernst gemeint war, oder nicht viel mehr eine Geste. Aber eben auch immer wieder ein Verweis darauf, dass das Gegebene, wie es ist, so nicht sein muss. Und das macht die Versuche subversiv.

Auch auf diese Versuche erfolgte zumeist das gleiche Spiel: Die Avantgarde erfindet neue Methoden. Diese werden vom Kapital verinnerlicht und von ihrer radikal-kritischen Intention losgelöst. Wie zum Beispiel durch das Aufsaugen avantgardistischer Methoden in der Werbeindustrie. Aber dennoch bestand für die (post-)dadaistischen Projekte kein Grund, aufzugeben: Es wurde und wird weiterhin munter herumexperimentiert. Natürlich ist Subversion immer mit einem Scheitern verbunden, aber mit einem Scheitern, das sich fortsetzt. Kein Ende der Geschichte ist in Sicht, es darf noch fröhlich weiter gescheitert werden. Die Stiftung zur Aufarbeitung der Kapitaldiktatur wird das eines Tages schon richtig deuten: als Versuch, immer wieder darauf zu behaaren, das unabänderlich Erscheinende als veränderbar zu präsentieren.

Mit diesem Beitrag plädiere ich für ein neues Verständnis der (post-)dadaistischen Avantgardeprojekte. Ich möchte vorschlagen, das Scheitern von subversiven Veranstaltungen als konstitutiv für selbige hinzunehmen und Subversion als das zu erkennen, was sie ist: als intentional-revolutionäre Handlung in einem nicht-revolutionären Zustand der Gesellschaft und damit mit nicht-revolutionärer Konsequenz – das Scheitern in Permanenz. Zu der Voraussetzung von Subversion gehört, dass ihr Erfolg ohne das Eintreten des gesellschaftlichen Zustandes, auf den sie hinausarbeitet, ohnehin nicht sichtbar ist. Also kann man den Begriff des Scheiterns auch gleich positiv wenden und behaupten: Das avantgardistische Scheitern ist kein Anzeichen von Misserfolg, sondern immer mit der Frage verbunden, warum eine Manifestation scheitert. Und das sagt mehr über die Konstitution der Gesellschaft aus, als eine werkästhetische Interpretation einzelner Werke.

Freilich muss die gehaltvolle Betrachtung von postdadaistischen Avantgardeprojekten um einzelne Erweiterungen des produktionshistorischen Entstehungskontextes dieser Bewegungen erweitert werden: der Situationismus um das Aufkommen der Kulturindustrie. Punk um die Entstehung von Pop und Subkulturen. Kommunikationsguerilla um die Etablierung von Gegenöffentlichkeit. Und doch gilt auch hier das Gleiche wie auch bei Marx: Alle historischen Nachfolgebewegungen des Dadaismus basieren auf der Weichenstellung, welche die Theorie und Praxis des Dadaismus gelegt hat. Sie ist die Basis, Versuche der revolutionären Umgestaltung der Gesellschaft durch Kunst überhaupt zu denken. Und solange eine revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft nicht verwirklicht ist, bleiben sie es auch.

Dieses Essay basiert auf Auszügen aus einer gleichnamigen Online-Publikation, die bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung kürzlich erschienen ist, und entstand im Rahmen des vom BRIMBORIA Institut in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung realisierten Projektes Dada’s not dead.

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Thesen über Satire als angewandten Punkrock

1.
Die Provokation ist in der Krise!
Längst von Marketingagenturen adaptiert, versucht sich heute vor allem die bürgerliche Rechte in deren Ausübung und agitiert gegen alles, was vermeintlich politisch korrekt erscheint. Linke Bewegungen haben dagegen das Mittel der Provokation fast vollständig verlernt und beschäftigen sich lieber mit hippieskem Hedonismus und sprachkritischen Zärtlichkeiten.
Wir sind die Antwort auf diese Krise!

2.
Der Hauptmangel rechter Provokation ist ihre Humorlosigkeit. Bürgerliche Rechte und Nazis sind weder sexy noch witzig. Ihr Kalkül mit vermeintlichen Tabubrüchen ist so durchschaubar wie öde, ihr Geschrei um vermeintliche Zensur erbärmlich.

3.
Satirische Provokation im Namen der Emanzipation schießt nicht nach unten. Sie schießt nach oben: Auf die gesellschaftlichen Verhältnisse und die Charaktermasken, die sie hervorbringen.
Wir blicken nach oben herab und lachen euch in Grund und Boden!

4.
Satirische Provokation heißt Angriff – und wenn sie nicht weh tut, macht man etwas nicht richtig. Satire arbeitet destruktiv, sie will den Gegenstand ihres Angriffes vernichten. Um den politischen Gegner an der richtigen Stelle anzugreifen, muss man ihn ernst nehmen! Satireproduzentinnen und -produzenten muss klar sein, wie ihr Angriffsziel tickt.

5.
Ist es Aufgabe der Satire, initiative Lösungsvorschläge zu formulieren?
NEIN! NEIN! NEIN!
Sie ist Kritik. Kritik des Bestehenden ist der Zweck, Satire das Mittel. Gegenvorschläge sollen andere bieten: Die Forderung, nur unter Bezug auf konkrete Alternativen Kritik üben zu dürfen, ist der jämmerliche Versuch, sich der Kritik nicht zu stellen.

6.
Gesellschaftliche Veränderung entsteht durch Arbeit an Widersprüchen. Jede Pointe ist eine formulierte Erkenntnis. Satirisch arbeiten heißt, Dinge zusammenzubringen, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören. Widersprüche aushalten, sie dem Publikum hinwerfen und Widerspruch provozieren. Satirische Provokation kommuniziert nicht offensiv, dass sie satirische Provokation ist. Tut sie es, so beraubt sie sich selbst jeder Wirkung.

7.
Satirische Aktionsformate leben von guten Bildern. Bildgewalt bedeutet Öffentlichkeit, bedeutet Wirkung. Zielvorgabe ist stets, in einer Situation das beste Bild zu erzeugen. Auf internationalem Parkett lebt Satire von guten Bildern, die auch ohne Sprache zugänglich sind.

8.
Der juristische Handlungsspielraum muss für die Produktion klar sein. Interessant wird es in der Grauzone. Hier gilt es, die Grenzen der Legalität auszuloten. Wird ein Aktionsformat institutionell untersagt, ist dies als Erkenntnisgewinn zu feiern.

9.
Die Frage nach den Grenzen von Satire ist nervtötend und langweilig, aber auch ein Indikator des eigenen Erfolges. Sie kann derzeit, wenn überhaupt, von ihren Produzentinnen und Produzenten beantwortet werden: Die Grenzen unserer Satire sind die Grenzen unserer Geduld. Wenn wir nicht mehr lachen können, dann werden wir eben schreien. Bis es so weit ist, machen wir Satire.

10.
Wir rufen unserer Bewegung zu: „Macht euch bereit zum Marsch auf die Institutionen!“ – Macht und Geld sind in dieser Gesellschaft grundsätzlich zu begrüßen, denn sie bedeuten größere Bühnen.

Wir rufen vor zur Polizeisperre: „Wir sind Künstler, lasst uns durch!“. Das bürgerliche Sakrament der Kunstfreiheit ist dem Verständnis von Satire als angewandten Punkrock dienlich.

Wir rufen hoch zum Balkon des Hotel Abgrund: „Wenn ihr schon nicht zur Party runterkommt, lehnt euch wenigstens zurück und genießt die Show!“

11.
Die Satiriker haben die Welt nur verschieden persifliert,
es kommt darauf an, sie zu verändern.

 

BRIMBORIA Institut
DADA Budapest
Die Front Internationale
Front Deutscher Äpfel
Ungarische Knoblauchfront

2014

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Thesen über Satire als angewandten Punkrock – die Slideshow!

These über Satire als angewandten Punkrock: Seite 1Seite 2Seite 3 - einzeln!

Thesen über Satire als angewandten Punkrock – das JPEG!

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Thesen über Satire als angewandten Punkrock – das PDF!

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Der Text “Thesen über Satire als angewandten Punkrock” erschien zuerst in dem Buch Max Upravitelev (Hg.): Front Deutscher Äpfel – Das Buch zur Bewegung, Fruehwerk Verlag, 2014.

Front Deutscher Äpfel – Das Buch zur Bewegung (II)

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Soeben hat uns eine aktuelle Pressemitteilung zur Crowdfunding-Kampagne des Apfelfront-Buches erreicht, die wir an dieser Stelle veröffentlichen wollen:

Die Apfelfront feiert dieses Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum!  Das bedeutet 10 Jahre satirischer Aktionsarbeit gegen Nazis und Nationalismen – und das nicht nur auf bundesweiter, sondern seit Jahren auch auf europäischer Ebene. 

Aus diesem Anlass ist ein Buch entstanden:  “Front Deutscher Äpfel – Das Buch zur Bewegung” . Hier finden Sie zum einen die Auseinandersetzung mit vergangenen Aktionen und Ablegern der Bewegung, wie beispielsweise die Entstehungsgeschichte zahlreicher Gaue und der Ungarischen Knoblauchfront. Zum anderen haben wir und andere intelligente Köpfe uns theoretisch mit der Satirebewegung auseinandergesetzt. Von der theaterwissenschaftlichen Perspektive über satirische Interviews hin zu Gesprächsprotokollen über die Subversivität der Apfelfront – hier werden aktivistische Gemüter und Elfenbeinturmhocker gleichermaßen fündig.

Allerdings ist das Buch erst zu 50% finanziert.  Ziel ist es, mithilfe der “Crowdfunding”-Kampagne auf  http://www.startnext.de/apfelfront  alle Druckkosten, die für dieses Hochglanzbuch benötigt werden, vorzufinanzieren. Als Dank winken zahlreiche Prämien, unter anderem selbstverständlich das  Buch  selbst, das auf diesem Wege  vorbestellt werden kann .

Weiteres über das Buchprojekt, unsere Autorinnen und Autoren (u.a. Alain Bieber und Martin Sonneborn!) und den Kaufbefehl unseres geliebten Führers erfahren Sie in der ausführlichen Pressemitteilung weiter unten. Dort finden Sie auch die Kontaktdaten unseres Pressesprechers.

Vielen Dank für Ihr Interesse.
Heil Boskop!

Pressemitteilung
Führerbefehl: Unterstützen Sie das nationalste Buchprojekt aller Zeiten!

Die Front Deutscher Äpfel feiert dieses Jahr ihr 10-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat sich die Bewegung entschlossen, ein Buch über sich selbst herauszubringen. Nun fordert Alf Thum, Mitbegründer und Führer der Apfelfront, dazu auf, das Krautfunding-Vorhaben zur Finanzierung des nationalsten Buchprojektes aller Zeiten tatkräftig zu unterstützen:

Der Führerbefehl:  

„Front Deutscher Äpfel – Das Buch zur Bewegung“  ist ein dokumentarisches Handbuch, welches intimste Einblicke in das Leben an der Apfelfront liefert, Praxistipps weitergibt und den Zusammenhang von Politik und subversiver Kunst bespricht. Im Band sind Texte von unterschiedlichen Autorinnen und Autoren versammelt, der Herausgeber und Apfelfrontler der ersten Stunde Max Upravitelev liefert dazu den erzählerischen Rahmen.

Die 10 Jahre Apfelfrontgeschichte werden in dem unterhaltsamen Kompendium durch Interviews, satirische Beiträge und Photographien näher beleuchtet. Hinzu kommen Beiträge, welche die “Nationale Initiative gegen die Überfremdung des deutschen Obstbestandes” theoretisch und praxisbezogen auswerten und historisch einordnen. Mit diesem Buch widmet sich die Apfelfront neben anverwandten künstlerischen Projekten aus den eigenen Reihen auch der sagenumwobenen Geschichte der Ungarischen Knoblauchfront.

Selbstverständlich wird aber auch ausführlich auf die eigene Arbeit zurückgeblickt: Aktive aus der Heimatstadt der Bewegung Leipzig sowie Aktive aus den zahlreichen Gauen der Republik kommen zu Wort. Sie berichten über Aktionen, interne Streitigkeiten und geben Tipps & Tricks, wie man sich eigentlich auf Demonstrationen gegenüber Nazis, Staatsmacht und Medien verhält und sich am besten in Szene setzt.

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Das Buch versammelt Beiträge von und mit:

Ulrich Berger, Alain Bieber, Dieter Daniels, Veronika Darian, Leo Fischer, Sebastian Jabbusch, Marcel Klotz, Veronika Kopf, Armin Langer, Tilman Loos, Robin May, Linnéa Meiners, Sandro Odak, Markus Ohm, Tom Rodig, Henry Rudolph, Martin Sonneborn, Alf Thum, Fernando Wawerek und Gregor Zocher.

Erscheinen wird das Buch im gemeinnützigen Fruehwerk Verlag, der auf Non-Profit-Basis arbeitet. Sämtliche Einnahmen werden zur Deckung der anfallenden Kosten verwendet. Das Buch wird von einem Projektseminar der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim, Fakultät Gestaltung, unter Leitung von Prof. Dominika Hasse gestaltet.

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Um das Buch zu realisieren, hat der geliebte Führer den Kaufbefehl gegeben. Nicht nur kann der geneigte Leser als Unterstützung das Buch quasi vorbestellen. Auch haben wir ein Füllhorn an praktischen Utensilien und Artefakten der Apfelfront im Prämienkatalog. Vom Demoflyer über hochwertige Siebdruck-Plakate bis hin zur (sonst unverkäuflichen!) Apfelfrontarmbinde finden Sie bei uns alles; sogar die Unterbringung von Logos im Buch und die Freisprechung aller Sünden live durch den Führer zur offiziellen Jubiläumsfeier am 28. November in Leipzig wird angeboten.

Die Kampagne läuft noch 41 Tage – Unterstützen Sie die Apfelfront!

http://www.startnext.de/apfelfront

Front Deutscher Äpfel

Front Deutscher Äpfel – Das Buch zur Bewegung

Die Front Deutscher Äpfel will dieses Jahr ein Buch über sich selbst herausgeben – und das BRIMBORIA Institut hat kräftig mitgewerkelt. Dazu später mehr.

Derzeit befindet sich das “nationalste Buchprojekt aller Zeiten” in der Finanzierungsphase der Crowdfunding-Kampagne und freut sich über tatkräftige Untersützung!

Parallel dazu hat die Gestaltung des Buches bereits begonnen, sich mit der Visualisierung des Inhalts auseinanderzusetzen. Heute wurde von der Apfelfront ein erster Vorgeschmack  auf ein mögliches Titelbild des Buches veröffentlicht:

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Front Deutscher Äpfel – Das Buch zur Bewegung“ ist ein dokumentarisches Handbuch, welches intimste Einblicke in das Leben an der Apfelfront liefert, Praxistipps weitergibt und den Zusammenhang von Politik und subversiver Kunst bespricht. Im Band sind Texte von unterschiedlichen Autorinnen und Autoren versammelt, der Herausgeber Max Upravitelev liefert dazu den erzählerischen Rahmen.

Bei diesem glorreichen Vorhaben unterstützt wurden wir durch spannende Beiträge und gewitzte Unterhaltungen von und mit:

Ulrich Berger, Alain Bieber, Dieter Daniels, Veronika Darian, Leo Fischer, Sebastian Jabbusch, Marcel Klotz, Veronika Kopf, Armin Langer, Tilman Loos, Robin May, Linnéa Meiners,
Sandro Odak, Markus Ohm, Tom Rodig, Henry Rudolph, Martin Sonneborn, Alf Thum, Fernando Wawerek und Gregor Zocher.

Unterstütz’ die Apfelfront! http://www.startnext.de/apfelfront/

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diskurspogo.de is no more – es lebe brimboria.net!

Das BRIMBORIA Institut zieht feierlich zurück in die alte Domainheimat. Ab sofort sind wir wieder unter www.brimboria.net erreichbar.

Da diese Information allein noch keinen Nachrichtenwert darstellt (und es sich bei diesem Beitrag ohnehin um nichts weiteres handelt als einen aufgepolsterten Testartikel um zu sehen, ob die RSS-Feed Umleitung funktioniert), präsentieren wir zur Feier des Tages zwei Fundstücke aus dem Archiv:

1. Ursprünglich für Glasflächen im öffentlichem Raum konzipiert, ist der erste und bisher einzige Sticker des BRIMBORIA Instituts heute sicherlich auch im Bereich der allgegenwärtigen digitalen Flachwaren einsetzbar:

- BRIMBORIA Sticker 450x450px

- BRIMBORIA Sticker 1300x1300px

2. Wir haben die Aufnahme des Gepräches zwischen Martin Sonneborn und Alf Thum während des BRIMBORIA Kongresses 2010 neu hochgeladen und dabei die Ton- und Videoqualität etwas nachgezogen:

NPD (No Police District) Connewitz

Satiregate Leipzig: “NPD-Connewitz” kurz vor Entzug der Spaßlizenz!

Sonst für ihre gut gelaunte Schreibe bekannt, beklagt die Pressestelle der Polizei Leipzig in einer Mitteilung wehleidig die aus ihrer Sicht viel zu diffusen Grenzen von Satire:

Kurt Tucholski [sic] stellte einst die in der Überschrift aufgeworfene Frage und antwortete: „Alles.” Schade, dass er die Fragen nach dem Wer und Wie nicht so eindeutig beantwortet hat.

Was war passiert?

In Leipzig-Connewitz wurde vor kurzem eine Polizeistelle eröffnet. Wer von Connewitz schon mal etwas gehört hat, befürchtete sicherlich schon wieder das Schlimmste: Straßenschlachten, durch gewaltbereite Chaoten besetzte Polizeibüros, und wer weiß, vielleicht sogar die ein oder andere umgetretene Mülltonne.

Vergangenen Freitag zeigte sich überraschend ein anderes Bild: Die Szene versammelte sich tatsächlich vor der neu eingerichteten Polizeidirektion. Anstatt der befürchteten Krawalle wurde aber auf ein anderes Mittel der politischen Auseinandersetzung gesetzt: Satire. Das kam alles andere als gut an.

Als verantwortlich für die Aktion zeigte sich die Bürgerinitiative “No Police District Connewitz”, kurz NPD Connewitz. Sie inszenierte sich als besorgter Mob mit Heugabeln vor dem neuen Polizeibüro und informierte die Eindringlinge, dass sie in ihrer Nachbarschaft nicht erwünscht seien.

Dabei hielt ein Pulk von ungefähr 200 Menschen selbstgebaute Papier-Fackeln in die Luft, freute sich über die vielen pointierten Sprüche aus den eigenen Reihen und lachte über die selbstironische Rede, die über das Megaphon verlesen wurde, um alle Akteure des Geschehens aufs Korn zu nehmen. Die Stimmung war ausgelassen, jünge Familien mischten sich unter die Demonstrierenden.

Spätestens da hätte auffallen müssen: Es ging bei dieser Aktion selbstverständlich nicht um die Einschüchterung von irgendeinem mickrigen Polizeibüro. Es ging um die Karikatur eines Bürgermobs und den Hinweis, wie blind die Polizei sich gerade in Leipzig regelmäßig bei Ermittlungen in der Naziszene anstellt.

Bürgerinitiativen sind in letzter Zeit vor allem als eins bekannt geworden: Als Protestplattformen für Nazis und bürgerliche Rechte, sei es gegen den Moscheenbau in Leipzig-Gohlis oder gegen eine Unterkunft für Asylbewerber_innen in Leipzig-Schönefeld. Sie sind allesamt Beispiele einer neuen NPD-Strategie, die bei ähnlichen Protesten letztes Jahr in Berlin-Marzahn zum ersten Mal aufkam.

Insbesondere in Leipzig entstanden in diesem Umfeld widerwärtige Aktionen. So wurden im letzten Herbst auf der Baustelle der geplanten Moschee in Gohlis Schweinköpfe auf Holzpfäle aufgespießt.

Leipzig hat ein Naziproblem. Dagegen gilt es anzukämpfen. Die Aktion der “NPD-Connewitz” war ein erfrischend anderes Mittel, um auch mal die Polizei direkt auf die Missstände aufmerksam zu machen, in welchen marginalisierte Menschen dieser Stadt leben. Dass diese Intention nicht durchdrang, ist nicht den Veranstalter_innen anzulasten. Wenn eine satirische Aktion mit theatralen Requisiten, vorbereiteten Redebeiträgen und sogar einer offiziellen Anmeldung in der Tasche im Nachgang als Krawallveranstaltung verkauft wird und ihr kommunizierter, politischer Anspruch nicht einmal eine Erwähnung findet, dann ist der Vorgang vielmehr bezeichnend für die völlige Ignoranz seitens Polizei und Bürgertum.

Das alles spricht unter anderem für ein sehr fragwürdiges Verständnis von Satire. Aus diesem Grund hat die Gründungsgeneration der Front Deutscher Äpfel, eines anderen Satireformates aus Leipzig, eine Pressemitteilung aufgesetzt, die im Folgenden dokumentiert wird:

Pressemitteilung: Gründer der Apfelfront melden sich bezüglich Satire-Debatte in Leipzig zu Wort

Im Rahmen einer satirischen Aktion im Statdteil Connewitz kochen in Leipzig die Wogen hoch. Jetzt melden sich auch Alf Thum, seines Zeichens Erfinder und „Führer“ der aus Leipzig stammenden „Front Deutscher Äpfel“, einem bundesweit bekannten Satire-Projekt gegen Rechts, sowie zwei weitere Mitbegründer zu Wort.


„Wenn ich anderen Eltern aus dem Kindergarten meines Sohnes erzähle, dass ich manchmal in Connewitz auf Partys oder Veranstaltungen bin, fragen die immer besorgt nach, ob man da denn nicht dauernd überfallen, verprügelt oder einem das Auto angezündet wird – soweit Connewitz als stadtbekanntes Klischee. Findet dann eine noch nicht barrikadenbewährte Satireaktion statt, gibt es sofort Aufregung mit dem Tenor: ‘Dürfen die das?’ Doch es ist zentrales Element von Satire, mit Überspitzungen, Ironie und haltlosen Behauptungen zu arbeiten. Es mit einer satirischen Demoaktion immer allen Recht zu machen ist nicht möglich. Denn Satire spaltet, ist nicht für jeden gleichermaßen lesbar und ist letztlich immer ein wenig riskant und Geschmackssache. Satire arbeitet sich gern an Autoritäten ab. Ich finde es unnötig, dass nun Politiker und Funktionäre meinen, sich über einen allgemein gültigen Satirebegriff verständigen zu müssen. Ich fordere ultimativ alle Beteiligten mit dem Hinweis: ‘Es ist Karnevalszeit!’ auf, sofort die Empfindlichkeiten einzustellen.“, sagt Alf Thum, Gründer der Apfelfront.

Tilman Loos, mittlerweile selbst aktives LINKE-Mitglied ergänzt: „Ich habe selbst noch nie eine Demo besucht, auf der ich alles was gerufen worden ist, hätte unterschreiben können. Das ist auch weder im Vorfeld planbar noch vor Ort umsetzbar. Die Anmelderin für jeden Vorfall auf und nach der Kundgebung in Haftung zu nehmen, geht meilenweit an der Realität solcher Veranstaltungen vorbei. Das weiß aber eigentlich jeder.“, sagt Tilman Loos.

Dass es gerade bei satirischen Auftritten im öffentlichem Raum immer wieder zu Irritationen kommt, kennt Tilman Loos noch von der Apfelfront. Dieses Satireprojekt gegen Rechts hatte weit über Leipzig hinaus ab 2004 für Aufsehen gesorgt. Tilman Loos, damals einer der Mitbegründer des Projekts, sagt dazu:

„Auch bei den Auftritten der Apfelfront ist es immer wieder passiert, dass Teile des Publikums das Ganze entweder nicht verstanden haben oder deutlich über das Ziel hinausgeschossen sind. Damit muss man leben, wenn man solcherlei Aktionen macht. Nicht nur beim Essen sondern auch bei der Kunst gilt bekanntlich: Geschmäcker sind verschieden.“, sagt Tilman Loos.

Max Upravitelev, der selbst aus Berlin angereist war um die Aktion zu beobachten, ergänzt: „Die Aktion war eindeutig stark auf die Situation in Schönefeld und die rassistische Stimmungsmache dort gemünzt. Der neue Polizeiposten in Connewitz war selbst nur Vorwand, eine willkommene Requisite. Es ist seltsam, dass dies offensichtlich kaum jemand verstanden hat. Wer wie ich vor Ort war hätte übrigens auch deutlich wahrnehmen können, dass im gehaltenen Redebeitrag eine ganz gehörige Portion Selbstironie der linken Szene enthalten war. Kunst im öffentlichen Raum ist immer auch ein Experiment. Aber es muss möglich sein, neue Aktionsformate zu erproben. Dass nun ausgerechnet ein Kulturpolitiker das alles nicht versteht, ist allerdings wirklich komisch im wahrsten Sinne des Wortes.“, so Max Upravitelev.

Völlig absurd wird die Geschichte übrigens durch ein halbes Spezial in der heutigen Printausgabe der konservativen Leipziger Volkszeitung. Ausgerechnet in diesem Rahmen hielt es sogar der Stadtvorstand der Partei “Die Linke” für nötig, gegen eine gelungene Aktion und aktive Mitglieder der eigenen Partei zu wettern. Absurder wird es nicht. Aber hoffentlich kann man wenigstens an dieser Stelle erwarten, dass nach der öffentlichen Denunziation auch eine Entschuldigung folgt.

Photo: Alexander Böhm

Anmerkungen zu Satire (I): Zur Frage nach den Grenzen

Satireproduzenten wird gern die Frage gestellt, wo die Grenzen ihres eigenen Schaffens liegen würden. In etwa lautet die Frage entsprechend: „Darf Satire wirklich alles, oder gibt es Grenzen?“ Eine beliebte Grenze ist zum Beispiel die des „guten Geschmacks“ – ein merkwürdiges Hybrid aus ästhetischer Kategorie und moralischem Urteil. Dürfe man sich auch über XY lustig machen, oder hört irgendwo der Spaß auf? Sei es bei dem Thema überhaupt angebracht, dieses satirisch zu bearbeiten? Oder müssten nicht andere künstlerische Methoden herangezogen werden?

Solche Fragen sind naheliegend, aber falsch rum gedacht. Das Material gibt vor, wie sich die satirische Reaktion konstituiert. Der Satiriker antwortet. Er antwortet mit einer Kampfansage, denn Satire heißt immer: Angriff. Es geht nicht um die Produktion von selbstgenügsamen Klamauk oder Entertainment, es geht um einen Angriff auf den Gegenstand der Indignation. Um den Gegenstand, den es abzuschaffen gilt. Satirisch Arbeiten heißt, dem Gegebenen eine angemessene Antwort entgegenzustellen. Diese muss wehtun, sonst macht man es nicht richtig. Satire ist immer Reaktion, nicht Aktion. Es geht nicht um initiative Lösungsvorschläge. Es geht um Kritik.

Kritik des Bestehenden ist der Zweck, Satire ein Mittel. Die Grenzen der Satire lassen sich von daher wenn überhaupt, dann aus Perspektive des Satireproduzenten feststellen: “Wenn ich nicht mehr lachen kann, dann werd‘ ich eben schreien.” Bis es so weit ist, bleiben wir bei Satire.

 

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Neues von der Front

Die Front Deutscher Äpfel ist wieder da! Aufgrund unserer regen Beteiligung an diesem Projekt, dokumentieren wir an dieser Stelle einige ausgewählte Links mit Informationen zum Comeback der “einzigen wirklich nationalen Bewegung Deutschlands”:

1. Zunächst ein Artikel von ER zu den aktuellen Entwicklungen:

ER – Front Deutscher Äpfel zurück im Schützengraben

2. Die redaktionelle Arbeit der FDÄ Online Redaktion wurde aufgenommen und ist unter der altbekannten Adresse zu finden:

www.apfelfront.de

3. Das Hauptmotiv der wiederaufgenommenen Arbeit ist die internationale Ausrichtung des gesamten Projektes.

Nach dem sich in Ungarn die Ungarische Knoblauchfront gegründet hat, sollen weitere Fronten von gleichem Format eröffnet werden. Hierzu wurde ein Manifest geschrieben und mittlerweile ins Englische übersetzt:

Front Deutscher Äpfel – Front Manifest (DE)

Front Deutscher Äpfel – Front Manifest (EN)

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Kritik der Konsumkritik

Keine Besprechung, eher Randnotiz anlässlich des Erscheinens von Harald Welzers „Der Konsumismus kennt keine Feinde“ in Blätter für internationale Politik.

Konsumkritik ist ausschließlich idealistische Gesellschaftskritik, nicht mehr. Sie fängt in ihrer Analyse einfach falsch an. Das Grundproblem am Kapitalismus ist nicht, welche Güter wie konsumiert werden. Das Problem ist, wie sie produziert werden. Die Produktion erfolgt im Kapitalismus auf Basis von Spekulation. Und nein, damit sind selbstverständlich nicht nur Spekulationen im Finanzsektor gemeint.

Jeder Bäcker spekuliert jeden Morgen darauf, wie viele Brötchen wohl verkauft werden. Jeder Verlag produziert Auflagen von Büchern, ohne zu wissen, wie viele denn eigentlich gebraucht werden und jede Fernsehsendung wird zuerst produziert und dann eingestellt, wenn sie nicht genügend Einschaltquoten bringt.

Überproduktion ist innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise unvermeidlich. Sie ist eingrenzbar durch Marktforschung, aber sie ist unvermeidlich.

Umso enttäuschender, dass Harald Welzer in seinem Artikel „Der Konsumismus kennt keine Feinde“ (erschienenen in Blätter für internationale Politik) nicht eben dies thematisiert, sondern bei Konsumkritik stehen bleibt. Es ist wirklich bedauerlich, da seine Perspektive eigentlich sehr sympathisch ist – er prophezeit, dass innerhalb kapitalistischer Verhältnisse die Menschheit sich selbst in Zukunft stark dezimiert, weil sie ihre eigenen Lebensgrundlagen zerstört.

Aber die Verhältnisse erscheinen ihm als ungeheure Ansammlung von Waren und bei dieser Erscheinung bleibt er stehen. Anstatt sich mit dem Wesen dieser Erscheinung zu befassen, kritisiert er einzelne Güter und beschwert sich über das Bedürfnis nach dem „noch flacheren Fernseher“ und „die noch fernere Fernreise“. Das ist zu wenig, gerade aufgrund der von ihm ja völlig zu Recht attestierten Dringlichkeit der Umstellung menschlichen Wirtschaftens.

Daneben Wachstumsstreben zu kritisieren, ist innerhalb dieser Verhältnisse wenig hilfreich: Es gibt kein Null-Wachstum, sondern nur Wachstum oder Stagnation. Und Stagnation sollte man in diesen Verhältnissen niemandem wünschen, es sei den man vertritt die Verelendungstheorie.